Sams verrückte Chicks

Und sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bielefeld

Heute saß ich am Münchener Flughafen und wartete. An einem Ort, wo ein Kaffee in etwa so viel kostet wie ein Bier im P1, das entspricht ungefähr dem Preis eines Kaffees in einem – ausschließlich von Japanern besiedelten – Wiener Kaffeehaus, saß neben mir ein älterer Herr um die 65 Jahre mit seinem Laptop, der – wie ich aus dem Augenwinkel sehen konnte – verschiedene Flirtportale offen hatte, etwas unbeholfen mit zwei Fingern auf seiner Tastatur rumtippte um fleißig Nachrichten zu beantworten.

Gut für mich, dass ich in Ermangelung an Zeit für das Einsetzen der Kontaktlinsen, immer noch meine mit Sehstärke ausgestattete Sonnenbrille trug, sie ermöglichte mir ganz ungeniert auf seinen Bildschirm zu starren und ich traute meinen Augen nicht, denn der Kerl – dessen Kleidungsstil irgendwo zwischen pensioniertem Fahrlehrer und Versicherungsangestellten auf Urlaub lag – hatte ernsthaft ein randvolles Postfach gefüllt mit den Fotos nackter Weiber. Anders als das gängige Klischee eines internetpornosüchtigen Rentners zeigten die Fotografien aber keine 18 jährigen Pornstars, sondern Hausfrauen um die 50, die mit ihren – nicht mehr zeitgemäßen Körpern – aufreizend posierten. Eine von ihnen rieb ihren nackten Körper sogar an einem Wischmob.

Ich starb gerade die tausend Tode der Reizüberflutung, denn das Karma meinte es wieder besonders gut mit mir; in der Reihe hinter mir saßen einige Mitarbeiter des Münchener Finanzamtes und unterhielten sich darüber, wie man mit seinem Unternehmen noch legal richtig Steuern sparen könnte, als das Handy des in die Jahre gekommenen Casanovas läutete. Er hob ab und sprach mit seiner, wie ich an ihrer Stimme hören konnte, weiblichen Bekanntschaft im derbsten wienerischen Slang und ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. In diesem Moment konnte ich nicht sagen, welches Gefühl in mir stärkeren Raum einnahm. Das Fremdschämen für diesen Bewohner der schönsten Stadt der Welt, die Neugier für die Millionen, die ich dank Insiderwissens des Münchner Finanzamtes hätte sparen könnte, wenn ich mich stattdessen auf dieses Gespräch fokussieren würde, statt auf nackte Frauen mit Haushaltsgeräten oder der Wunsch den rüstigen Rentner mit einer gediegene Brofist zum Ritter der Schlampenrunde zu schlagen. Sir Schwanzalot würden wir ihn dann nennen.

Links neben mir flüsterte mein neuer Freund in der schleimigen wienerischen Art gerade „und sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bielefeld“, in sein Nokia aus dem letzten Jahrhundert. Kurze Zeit später – er sagte gerade so etwas wie „Na, na passt schooo dann übernachtens wir einfach in deinem Atelier“, – erschloss sich mir das Gesamtkonstrukt. Der Tyrannosaurus Sex hatte scheinbar überall Frauen stationiert, die er einfach spontan besuchte um sie zu beglücken. Ob in ihrem Atelier in Bielefeld oder wo auch immer. Er ergänzte sogar noch, dass das mit dem Atelier eine super Idee sei, dann könne er sich auch viel besser rausschleichen am nächsten morgen, wenn sie noch schliefe. Der hat’s drauf.
Ich kann nur hoffen, dass ich in 40 Jahren auch noch so ein geiler Ficker bin. Dann aber bitte mit einem dandyhafteren Style, weniger Kleiderkammer und mehr Hugh Hefner.

 

Das Bild… ist natürlich nicht er! So direkt, ihn nach einem Autogramm zu fragen, war ich dann auch wieder nicht. Stattdessen gibt es zu dem Bild folgende Lizenzangabe: CC BY  Bestimmte Rechte vorbehalten von torbakhopper

About the author

Sam

Sam Feuerstein ist erfolgreicher Con Artist und reist seit Jahren durch Europa. Er lebt abwechselnd in Wien und auf Mallorca.

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