Niccolò Santi - Aus dem Leben eines Frauenverstehers

Scheitern als Chance

Ich bin in den letzten Wochen immer wieder mit zwei Frauen im Bett gelandet, die beide in ähnlichen Lebenssituationen stecken: Frisch von einem langjährigen Partner getrennt, durch eine falsche Entscheidung den Job verloren und nach der Trennung jetzt in eine neue Stadt gezogen. Sie beide stehen gewissermaßen vor den Scherben ihrer bisherigen Existenz.

Und doch sind ihre Situationen so unterschiedlich, wie sie nur sein könnten: Während die eine – nennen wir sie Silvia – sich wieder voll ins Leben stürzt, einen neuen Job angefangen hat, den sie schon immer machen wollte, sich komplett neu gestylt hat und einfach ganz casual verschiedene Männer datet ist die andere – nennen wir sie Sabine – depressiv, klammert sich verzweifelt an jeden noch so kleinen Rest ihres alten Lebens und lässt sich hängen. Dann und wann, wenn sie mal wieder betrunken ist, kommt sie zum vögeln vorbei und heult sich danach bei mir aus. Sie ist auf dem besten Weg, auch von mir den Laufpass zu bekommen, denn ihre negative Art ist total unsexy.

Diese beiden Frauen sind Beispiele für zwei völlig gegensätzliche Arten, mit dem Scheitern von Lebensentwürfen umzugehen. Man kann nach dem Ende einer Beziehung, dem Verlust eines Arbeitsplatzes oder anderen Fehlschlägen natürlich den Kopf in den Sand stecken und jammern und sich gehen lassen. Dann wird man wie Sabine und steht irgendwann erst recht allein da, weil man so uninteressant für andere Menschen geworden ist, dass man nichts mehr hat.

Oder man macht es wie Silvia, die das vermeintliche Scheitern ihres alten Lebens als Sprungbrett für ein neues Leben nimmt. Sie kreiert ein völlig neues Leben auf den Trümmern des alten.

Und genau das ist es, was ich auch meinen Schülern immer wieder sage, wenn sie in meinen Coachings darüber sprechen, wie sehr sie ihre Exfreundin vermissen, wie sehr sie der Verlust des Jobs schmerzt, wie ätzend die Privatinsolvenz ist, wie frustriert sie vom eigenen Scheitern sind: Scheiß drauf! Wer auf der ganzen Linie gescheitert ist, ist in einer beneidenswerten Situation – er kann sich völlig neu erfinden! Wer einen halbwegs funktionierenden Alltag hat, der ist ständig mit anderen Menschen und deren Erwartungen konfrontiert. Natürlich ist es auch dann möglich, sich zu verändern. Aber das ständige, meist negative Feedback hemmt viele Menschen doch sehr. Deshalb zitiere ich immer aus einem meiner Lieblingsbücher, Fight Club von Chuck Palahniuk: Erst, wenn du alles verloren hast, hast du die Freiheit, alles zu tun! Wer nichts mehr zu verlieren hat, der kann nur gewinnen. Also hört auch, euch deprimiert zu besaufen, hört auf in Selbstmitleid zu baden! Geht raus, habt Spaß und erfindet euch selbst. Es gibt nichts, was sich nicht mit einer positiven Einstellung und etwas Einsatz wieder gerade biegen lässt! 


Ihr müsst nur lernen, das Scheitern Chancen bietet!


Euer

Niccoló Santi

Bild: CC BY-SA Bestimmte Rechte vorbehalten von amboo who?

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Nico

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