Im Zwiespalt der Schönheit

Ich erinnere mich noch gut an Lola (Name geändert). Sie war die hübscheste junge Blondine an meiner Hochschule. Sie hatte Tattoos und zog sich immer sexy, aber nie stillos an. Seien es nun hautenge Leggins, die ihre straffen, schmalen Beine zeigten, oder Oberteile, die eines jeden Mannes Blicke nicht mehr von ihrem Ausschnitt abweichen ließen.

Ich würde Geld wetten, dass jeder meiner damaligen Mitstudenten sich schon mal vorgestellt hatte, wie sie ohne die letzten Reste Stoff an ihrem nahezu perfekten Körper aussieht, oder sogar wie es wohl wäre, mit ihr eine leidenschaftliche Nacht in einem von Kerzen beleuchteten Zimmer zu verbringen.

Granate ohne Selbstbewusstsein? Kann das wirklich sein?

An sie herangetraut hat sich natürlich niemand. Zugegeben, ich auch nicht, da ich es von vorne herein ablehne, Frauen intim kennen zu lernen, die sich regelmäßig in meinem Umfeld befinden. „Never Fuck the Company“, nenne ich das. Damit streiche ich sämtliche Kolleginnen heute und sämtliche Mitstudentinnen jener Zeit von meiner Liste, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden. Aber das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zurück zu Lola, der unverschämt heißen Studentin, die alle in ihren Bann zu ziehen vermochte. Dass sie eine Granate war, ist nun klar. Doch weitaus interessanter als dies ist, dass sie dennoch kaum Selbstbewusstsein hatte und viel an sich selbst herumnörgelte. In Vorbeigehen hörte ich sie immer mal wieder Klagen über ihre zarte Figur und Mängel an ihrem Gesicht preisgeben. So schön sie war, so unsicher war sie zugleich. Kann das wahr sein? Die Schönste Frau der Hochschule findet sich selbst nicht hübsch und hat kaum Selbstbewusstsein? Ja, das kann wahr sein!

Die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit als Ursache für mangelndes Selbstbewusstsein

Eine Frau weiß sehr oft, sehr wohl, „wie gut“ sie im Vergleich zu anderen Frauen aussieht. Eine hübsche Frau weiß, dass sie hübsch ist. Aber sie weiß auch, dass es andere Frauen gibt, die noch mal hübscher sind als sie. Das können Models aus Magazinen oder Frauen in ihrem Umfeld sein. Freundinnen, wie Feindinnen, es gibt immer eine Frau, die hübscher ist, als sie selbst. Das sorgt unermüdlich für eine immer-nagende Unsicherheit.

Diese Unsicherheit mag von außen unbegründet wirken, ist jedoch mehr als verständlich, misst man(n) den Wert einer Frau, heutzutage mehr denn je, an ihrem Erscheinungsbild. Schönheit ist der Frau Kapital. Genau das ist für hübsche Frauen mehr als verhängnisvoll, ist doch die Jugend – und damit Schönheit – einer Frau vergänglich. Das dreißigste und noch mehr das vierzigste Lebensjahr sind nicht ohne Grund so gefürchtet. Schöne Frauen haben oft ein geringes Selbstbewusstsein.

Bekräftigt wird diese Unsicherheit non stop. Seien es Männer, die sie ansprechen und ihr sagen, wie hübsch sie doch sei, oder mit Photoshop bearbeitete Models, die ihr aus der Vogue und anderen Hochglanzmagazinen entgegenlachen. Alles erinnert sie daran, wie wichtig Schönheit ist. Dass die Schönheit im Auge des Betrachters liegt und die Perfektion der Schönheit nur fiktiv, also gar nicht zu erreichen ist, ist den meisten Frauen nicht bewusst, ja quasi nicht für sie existent.

Was hat die bildhübsche Lola also gemacht? Sie war verunsichert und hatte, so lang ich sie kannte, keinen festen Freund. Noch heftiger: Sie hatte nicht einmal gut aussehende Liebhaber. Nein, sie hatte sehr durchschnittliche Typen, mit denen ich sie auf Partys antraf, weil sie sich diesen optisch überlegen fühlte und ihre Unsicherheit somit ein Gegengift fand. Oft waren diese Typen selbstbewusst, frech und äußerst sozial. Nie waren sie gutaussehend.

Gutes Aussehen vs. Sich gut fühlen

Die Geschichte von Lola ist für den Verführer in uns mehr als interessant. Sie lässt vermuten, dass so manch ein durchschnittlich aussehender Mann bei gut aussehenden Frauen bessere Chancen hat, als bei durchschnittlich aussehenden. Ein ehemaliger Coachingteilnehmer von mir sprach auf der Straße immer wieder durchschnittlich aussende und leicht überdurchschnittlich aussehende Frauen an, die ihm meist innerhalb weniger Sekunden einen Korb gaben. Als ich dies bemerkte, ließ ich ihn gezielt die schönsten Frauen ansprechen, die wir sahen. Models und Karrierefrauen mit Stil. Er kam an. Nein, er kam nicht nur an, er holte sich die Telefonnummern der schönsten Frauen, die wir auf der Straße antrafen – selbst die, einer verheirateten Frau mit Kindern. Er hat inzwischen fast ausschließlich Dates mit Stripperinnen und Tänzerinnen mit unübertroffenem Körper.

Was lernen wir daraus? Ganz einfach: Wie gut eine Frau aussieht, spiegelt absolut nicht wieder, wie gut sich eine Frau fühlt. Wie schön eine Frau ist, lässt keineswegs Rückschlüsse darauf ziehen, wie selbstbewusst sie ist. Und vor allem: Egal wie umwerfend hübsch eine Frau ist, du hast definitiv eine Chance bei ihr.

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