Niccolò Santi - Aus dem Leben eines Frauenverstehers

Falsche Signale

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Wenn ich Langeweile hab, dann habe ich Sex mit schönen Frauen.

Ja, ich weiß, jeder Mensch braucht Hobbys. So geschehen auch am Samstag. Ich hatte keine Lust, mit meinen Freunden auf die Jagd nach Blondinen mit prallem Dekolleté und geringem Selbstwertgefühl zu gehen oder mir den Abend im Fitnessstudio oder auf irgendeinem öden Society-Event zu vertreiben, also verabredete ich mich mit einer Frau, die ich vor ein paar Jahren schon einmal gedatet, aber dann irgendwie aus den Augen verloren hatte. Sie ist genau mein Fall, groß, riesige Brüste, flacher Bauch, ein beinahe unstillbares Verlangen nach Sex und ein feiner Sinn für Humor – ich liebe solche Frauen. Soweit, so gut, Treffen bei ihr, Rotwein, Kerzen, irgendwelcher erotisch aufgeladener Pop-Trash im Hintergrund, und so kam es, wie es kommen musste. Und kurz, nachdem sie gekommen war (und etwa zehn Minuten, bevor ich gekommen wäre!!!) klopfte es an der Tür:

„Hallo, hey *******, lass mich bitte rein!“

Meine Gespielin sprang auf, wickelte sich in ein Bettlaken ein wie in einem amerikanischen Blockbuster und rannte zur Tür. „Sorry, Niccoló, das ist meine Nachbarin, die hat sich gerade von ihrem Mann getrennt…“ Also zog ich mir zumindest eine Hose und mein Hemd an und setzte mich auf die Couch. Ich traute meinen Augen nicht, als sich die Tür öffnete: eine schlanke, braungebrannte, beinahe nackte Blondine, nur mit winzigen Hot Pants und einem BH bekleidet kam in die Wohnung gestürzt, wütend und in Tränen aufgelöst.

„Dieser Mistkerl hat die ganze Wohnung ausgeräumt! Ich habe nichts mehr, keinen Cent, nicht einmal mehr etwas zum Anziehen!“

Sie fiel meiner Lady um den Hals, die einen entschuldigenden Blick in meine Richtung warf. Ich nickte und signalisierte ihr, das alles in Ordnung wäre. Und tatsächlich war alles in Ordnung, denn ich witterte eine Chance… Doch zuerst musste die Freundin getröstet werden. Sie nahm zwischen uns Platz und trank ein Glas Rotwein nach dem nächsten. Ihr Ex, anscheinend ein brutaler Säufer, hatte sie in der letzten Nacht wohl geschlagen und beleidigt, also hatte sie ihm gesagt, er solle seine Sachen packen und gehen. Er hatte das zu weit aufgefasst und einfach alle Sachen genommen, weswegen die Kleine plötzlich vor dem Nichts stand – und jetzt hier mit uns saß, die wir alle kaum bekleidet und schon einigermaßen angetrunken waren. Sie entschuldigte sich immer wieder, dass sie uns störte, aber meine Freundin beruhigte sie jedes mal damit, wir wären „froh“ und „glücklich“, dass sie bei uns wäre. Dabei streichelte sie die Schulter und die langen, glatten Beine der frisch Verlassenen. Und auch mich streichelte sie am Bein, im Gesicht, im Schritt… Und als ich das erste Mal die Hand der Nachbarin auf meinem Bein spürte, die mir ihre Dankbarkeit für meinen Trost und mein Verständnis aussprach und mich aus riesigen Kulleraugen ansah, da erblickte ich die Gelegenheit – ich küsste erst meine Freundin, fragte dann in die Runde, ob die beiden einander schon einmal geküsst hätten, und als sie das verneinten meinte ich nur „Macht nix“ und küsste die Nachbarin…

Tja, meine Freunde, die Geschichte könnte jetzt damit weitergehen, dass ich die beiden Mädels völlig um den Verstand gevögelt habe, sie gierig mit mir spielten wie zwei ausgehungerte Kätzchen und sie danach zu willigen Haremsdamen wurden – aber ich möchte euch hier ja nicht belügen, sondern von meinen Erfahrungen und Abenteuern mit dem weiblichen Geschlecht berichten. Und die Realität sah folgendermaßen aus: Ich bekam von links eine Ohrfeige, von rechts ein Glas Rotwein ins Gesicht geschüttet – Jahrgang 2005, irgendein Dornfelder – und stand nicht einmal eine Minute später auf der Straße, mit meinen Schuhen, meinen Socken und meinem Jackett in der Hand, immer noch Rotwein aus meinem Dreitagebart wischend. Ich war mir sicher, alles richtig gemacht zu haben, aber anscheinend hatte ich ein paar Signale falsch interpretiert. Die wütenden Whats-App-Nachrichten ignorierend griff ich nach meinem Handy und sah mich nach einem neuen Date für den Abend um. Und tatsächlich hatte ich in dieser Nacht Sex mit zwei Frauen – drei Stunden auseinander und etwa 15 Kilometer voneinander entfernt… Naja, was solls, beim nächsten Mal klappt es wieder… Bestimmt…

Euer

Niccoló Santi

Bild: CC BY Bestimmte Rechte vorbehalten

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About the author

Sam

Sam Feuerstein ist erfolgreicher Con Artist und reist seit Jahren durch Europa. Er lebt abwechselnd in Wien und auf Mallorca.

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