FACS – Flirtsignale auf wissenschaftlicher Basis

FACS

Flirten besteht zu einem wichtigen Teil aus Körpersprache. Es gibt unzählige Ratgeber darüber, wie man erkannt, ob eine Frau Interesse an einem Mann hat. Ein berühmtes Werk ist “Undercover Sex Signals” von Leil Lowndes. Dieses Buch wurde von einer Frau geschrieben und erklärt anschaulich mit vielen Bildern, welche Signale Frauen aussenden um einen Mann auf sich aufmerksam zu machen. Wer es aber gern etwas wissenschaftlicher mag, der kommt an den Forschungsergebnissen des US-amerikanischen Wissenschaftlers Dr. Paul Ekman, dem Begründer des FACS, nicht vorbei.

 

In den 70er Jahren untersuchte Ekman die Mimik von Menschen und fand heraus, dass bestimmte Prozesse in unserem Gehirn, die bei dem Erleben verschiedener emotionaler Zustände, stattfinden, sich unweigerlich in Muskelkontraktionen (Mikroausdrücke) in unserem Gesicht abzeichnen.
Auf deutsch heißt das nicht mehr, als dass wir lächeln, wenn wir glücklich sind, die Augenbrauen hochziehen wenn wir überrascht sind und bei Ekel die Nase rümpfen. Seine Beobachtungen fasste er als FACS, das Facial Action Coding System, zusammen.

Selbstverständlich hat dies der normalsozialisierte Leser alles schon gewusst. Wirklich interessant werden Ekmans Forschungen aber, wenn man sich die Konditionierung der Gesellschaft ansieht. Denn uns allen wurde beigebracht, dass es bestimmte Emotionen gibt, die man vor anderen Menschen nicht zeigen soll. Hierbei ist das Lächeln in den meisten Fällen das Werkzeug unserer Wahl, mit dem Lächeln signalisieren wir Überlegenheit, Unantastbarkeit und Souveränität.

Uns begegnet jemand, den wir nicht leiden, mit dem wir aber auskommen müssen? Wir lächeln. Wir sind über etwas enttäuscht, wollen aber anderen Menschen nicht unsere Gefühlswelt offenbaren? Auch hier fällt unsere Wahl auf ein diplomtisches Lächeln.

Dies ist kein Zufall, denn psychologisch betrachtet, drückt der Mensch mit dem Lachen seine Überlegenheit aus. Wer über einen Witz lacht, signalisiert, dass er Intellektuell überlegen ist. Den Menschen gegenüber, die den Witz nicht verstanden haben oder auf deren Kosten der Witz gemacht wurde. Wer über sich selbst lachen kann, zeigt außerdem mehr als deutlich, wie gefestigt seine Stellung in der Gesellschaft ist, da er auf seine eigenen Kosten einen Witz machen kann, ohne befürchten zu müssen, jemand würde seine Autorität anzweifeln.

Nun ist es aber so, dass die bewusste Entscheidung einen Gesichtsausdruck anzunehmen und die Mimik, als Reaktion auf echte Emotionen, in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns bearbeitet werden. Im Gehirn gibt es einen Bereich der den Namen pyramidales System trägt, Menschen, die hier eine Schädigung des Gehirns erleiden, sind nicht mehr in der Lage auf Kommando zu lächeln, sie lachen aber über Witze. Umgekehrt, gibt es Hirnschädigungen, die einen bestimmten Bereich im nicht pyramidalen System betreffen und dazu führen, dass Menschen zwar willendlich Emotionen zeigen können, aber ihre Miene versteinert bleibt, wenn sie diese Emotion wirklich erleben.

Spannend wird es, wenn wir uns vor Augen führen, dass die unbewussten Prozesse in jedem Fall unsere Mimik beeinflussen und die wahren Emotionen in unserem Gesicht aufblitzen, bevor wir unsere gesellschaftlich antrainierte Maske aufsetzen können. Dies sind die Erkenntnisse von Ekmans jahrelanger Forschung! Er fand heraus, dass die echten Emotionen wenige Bruchteile von Sekunden im Gesicht von Menschen zu sehen sind, bevor sie eine andere “Rolle” annehmen. Dies kann uns helfen einen guten Pokerspieler zu durchschauen und auch die Signale von Frauen oder generell von Menschen besser zu verstehen und zu bewerten.

 

Das Auge trainieren

Bis man so gut ist, dauert es aber lange. Es gibt spezielle FACS Onlinetools mit deren Hilfe man seine Wahrnehmung darin trainieren kann, die aufblitzenden Mikroausdrücke, so – oder im englischen Original Microexpressions – nennt Ekman die wahren Emotionen, in Gesichtern zu erkennen. Die Fortschritte können sich sehen lassen, bereits nach einigen Tagen regelmässigem Traning von einer Viertelstunde, verzeichnet man Erfolge.
Allerdings lassen sich die antrainierten Skills nur schwer auf die Wirklichkeit übertragen. Dies liegt wohl daran, dass sich Wissen, dass durch computergestützes Lernen erworben wurde, nicht zu 100% für die menschliche Interaktion adaptieren lässt. Grund dafür ist, dass wir multimediale Inhalte in einer vollkommen “sterilen” Umgebung aufnehmen, wir gewöhnen unser Gehirn daran, die Informationen so zu verarbeiten, wie sie uns vom Computer aufbereitet wurden. Im echten Leben hingegen, sind die Bedingungen der Informationsaufnahme und -selektion um ein Vielfaches härter.

 

Flirten mit System?

Dass Internet ist voll mit unzählig, systematisch scheinenden Strategien und über die Flirtsprüche auf dieser Seite, kann der geübte Verführer nur müde lächeln. Doch das vollkommen strukturierte Vorgehen wird von Kritikern immer wieder in der Luft zerrissen. Immerhin ginge es hierbei um eine Persönlichkeitsentwicklung, um das Erlangen von Kompetenzen, die unbewusst angewendet werden und nicht darum zu einem Roboter der sozialen Interaktion zu werden. Dennoch kann uns der Einsatz des Facial Action Coding Systems dabei helfen unser Feingespühr für soziale Interaktionen zu verbessern. Wichtig ist, dass man nicht nur über multimediale Inhalte lernt, denn wer nur mit einem Onlinetool lernt, fördert vor allem seinen Wiedererkennungseffekt und wird komplett versagen, wenn es darum geht, die Mimik zu beobachten, während er gleichzeitig darauf achtet, was gesagt wird. Wichtig ist es viel eher, diese Softskills in den Alltag zu integrieren und durch regelmässiges Üben an öffentlichen Plätzen, in der Ubahn oder in der Supermarktschlange zu trainieren. Die Mimik und die Microexpressions der Menschen, mit denen man spricht zu beobachten und auszuwerten.

 

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